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Hewett Oller

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Der Parteitag der AfD sollte vor den Landtagswahlen vor allem Geschlossenheit ausstrahlen. Doch hinter den Kulissen knirscht es. Sowohl Weidel als auch Höcke nutzten ihre Netzwerke, um noch mächtiger zu werden.

Am Ende des Parteitags wollen Alice Weidel und Tino Chrupalla nochmal betonen, wo sie mit der AfD hin wollen, als wäre das nicht schon klar: Sie tritt auf die Bühne und ruft: „Wir wollen Verantwortung für dieses Land, das wir so sehr lieben“. Und die Delegierten erheben sich und schwenken ihre Deutschlandfahnen.

Auch Chrupalla hat davor ausgeführt, dass die AfD endlich in Regierungsverantwortung kommen müsse. Aber er hat auch gewarnt: Man dürfe nichts versprechen, was man nicht einhalten könne. Eine Botschaft an die Landesverbände, die demnächst vielleicht regieren – nämlich Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. So geht der Bundesparteitag der AfD in Erfurt nach eineinhalb Tagen zu Ende, und es gibt einige denkwürdige Momente.

Weidels Triumph

Bei der Wahl der Bundessprecher bekommt Alice Weidel deutlich mehr Stimmen als Chrupalla. Sie 81 Prozent, er nur 70 Prozent. Er habe eben intern auch unangenehme Dinge angesprochen, erklärt Chrupalla im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Damit dürfte die sogenannte Verwandtschaftsaffäre gemeint sein. Eine Reihe von AfD-Abgeordneten hatte enge Verwandte oder Ehepartner jeweils anderer Parteifunktionäre als Mitarbeiter angestellt. Chrupalla hatte in der ARD-Sendung Caren Miosga gesagt, die Angelegenheit habe ein „Geschmäckle“, und war mit dieser Selbstkritik ziemlich allein auf weiter Flur. Die, die er meinte, zum Beispiel aus dem Landesverband Sachsen-Anhalt, dürften ihm das übel genommen haben.

Manche sehen in dem Wahlergebnis einen ersten Schritt Richtung Einzelspitze, also Weidel ohne Chrupalla, was Weidel aber in der ARD-Sendung Bericht vom Parteitag zurückwies. Man sei den Wählern und Deutschland verpflichtet. Personaldebatten spielten keine Rolle. Hinter vorgehaltener Hand wird in der Partei aber darüber schon gesprochen.

Das Münzenmaier-Netzwerk und der neue Bundesvorstand

Sebastian Münzenmaier ist einer der einflussreichsten Strippenzieher in der AfD. Mit Hilfe des nach ihm benannten Netzwerks hat er die Dramaturgie dieses Parteitags in Erfurt entscheidend mitbestimmt. Münzenmaier – jung, freundlich, radikal – hat die Mehrheiten für Weidel organisiert und ihre und seine Wunschkandidaten im Bundesvorstand durchgesetzt.

Am Ende steht ein neuer jüngerer Bundesvorstand, der nach den Wünschen der Parteichefin zugeschnitten ist.

Alle Kampfkandidaturen gehen pro Weidel aus

Einer der neuen Vorstandsmitglieder ist Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen. Er hat sich gegen das langjährige Vorstandsmitglied Kay Gottschalk durchgesetzt, über den im Vorfeld flüsternd allerlei Unfreundlichkeiten erzählt wurden. Bei seiner Bewerbung wird Tritschler gefragt, welchen Berufsabschluss er habe. Er antwortet, er habe Jura studiert, aber keinen Abschluss.

Oder der Brandenburger Hannes Gnauck, den das Münzenmaier-Netzwerk anstelle des erfahrenen Carsten Hütter aus Sachsen auf den Posten des Schatzmeisters schieben will. Zweimal geht die Abstimmung unentschieden aus, im dritten Wahlgang erst kann sich Gnauck sehr knapp durchsetzen. Auch Alexander Jungbluth und Maximilian Kneller wurden von Münzenmaier unterstützt.

„Mal wieder typisch, keine Ausbildung und kein Studienabschluss“, murrt einer, der seinen Namen nicht im Artikel lesen will. Der Abgeordnete Matthias Moosdorf dagegen lässt sich namentlich zitieren. In der AfD habe man doch eigentlich auf qualifiziertes Personal setzen wollen, sagt er, politische Netzwerke würden gerade viel höher gewichtet, als es der Partei gut tue. Man kann sagen: Glücklich über die neuen Vorstandsmitglieder sind nicht alle.

Breiter Protest gegen den Parteitag

Zehntausende gehen in Erfurt auf die Straße, um gegen die AfD und ihren Parteitag zu protestieren. Die Polizei spricht von 31.000, die Veranstalter von 50.000 Teilnehmenden. Unter ihnen ist auch Dennis Baum, ein Nachfahre der jüdischen Familie, die das DDR-Kultmoped Simson hergestellt hat und das die AfD immer wieder nutzt, um für sich selbst zu werben. Baum ist extra aus New York angereist, um die Proteste zu unterstützen.

Die bleiben weitgehend friedlich, wie die Behörden melden, allerdings gibt es kleinere Auseinandersetzungen mit der Polizei. Drei Reporter des Magazins Apollo News werden angegriffen und verletzt. In ihrer Abschluss-Pressekonferenz kritisiert Weidel die Berichterstattung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Die Demonstranten seien als zu friedlich dargestellt worden. Weidel schießt in letzter Zeit immer öfter gegen ARD und ZDF, beklagt sich über „Framing“, weist zurück, dass es in ihrer Partei auch Rechtsradikale gibt.

Demonstranten gegen Höcke

Viele der Demonstrierenden sprechen sich gegen Björn Höcke aus, den Landesvorsitzenden der AfD Thüringen. „Höcke ist ein Nazi“, ist auf Plakaten zu lesen.

Höcke spricht ihnen in seiner Rede am ersten Tag die geistige Gesundheit ab. Er nenne sie „Seelenverwundete“, führt aus, den Demonstranten sei nicht ermöglicht gewesen, eine „gesunde Identität“ auszubilden. Und es sei auch eine Aufgabe der AfD, „Normalität herzustellen und zu heilen“. Was Höcke genau darunter versteht, sagt er nicht.

Auch Höcke weitet Einfluss aus

Schon vor Wochen hatte der Höcke-Vertraute Stefan Möller seine Ambitionen auf den Platz des Stellvertreters im Bundesvorstand formuliert. Er sei aber nicht von Höcke abhängig, er denke eigenständig, betonte Möller im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Einen Gegenkandidaten gab es nicht, Möller bekam bei der Wahl 75 Prozent, ein ziemlich guter Wert, wenn man bedenkt, dass viele AfD’ler Höcke und seinem „Thüringer Weg“ früher kritisch gegenüberstanden.

Und noch eine Höcke-Verbündete trat an: Katrin Ebner-Steiner aus Bayern, sie kandidierte überraschend. Und bootete damit das bisherige Vorstandsmitglied Peter Boehringer aus. Boehringer sei sehr fleißig gewesen und in Satzungsfragen versiert, war aus dem Bundesvorstand zu hören. Ob Ebner-Steiner das übernehmen werde? Wie auch immer: Mit diesen beiden stellvertretenden Sprechern kann Björn Höcke seinen Einfluss im Bundesvorstand enorm ausweiten.

Keine Debatte über „Unvereinbarkeitsliste“

In einem Antrag, dem sich Höcke angeschlossen hatte, sollte über die sogenannte Unvereinbarkeitsliste diskutiert werden. Darin ist festgelegt, dass Personen, die mal in extremistischen Organisationen wie der Identitären Bewegung oder der NPD Mitglied waren, nicht in die AfD dürfen.

Diese Diskussion fand aber nicht statt, der Antrag wurde von der Tagesordnung genommen. Eine Kommission soll sich mit der Frage im kommenden Jahr beschäftigen. Die Empfehlung, die die Kommission aussprechen wird, könnte es in sich haben.

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Den Comedians ist das Lachen vergangen, dafür tanzen Politiker ihre Misserfolge weg, und die Bahn macht Witze, dass sie so unpünktlich ist. Humor in Deutschland? Ist, wenn man so richtig feige ist.

Alles ist lustig. Die Deutsche Bahn, Markus Söder, Mülleimer. Die Berliner Stadtreinigung beschriftet seit einigen Jahren ihre orangen Kübel mit klamaukigen Sprüchen: „Putsdamer Platz“ steht auf einem Eimer am Potsdamer Platz. Auf einem anderen, saisonal abgestimmt zur Berlinale: „Spiel mir das Lied vom Kot.“ Die Putzfahrzeuge der Hauptstadt fahren Wortspiele wie „Räumschiff“ oder „Feganer“ umher.

Auch die Deutsche Bahn ist lustig. Für sieben Millionen Euro ist Ladykracherin Anke Engelke in eine Bahn-Uniform geschlüpft und hat sieben Werbefilmchen gedreht. Sie verschüttet als Bahnbegleiterin Tina Kaffee, quetscht sich durch Gänge voller bekofferter Fahrgäste und will sich davor drücken, eine Verspätung durchzusagen. Der bayerische Ministerpräsident hat so viel Stress für ein paar Lacher gar nicht nötig. Er isst nur, postet Würschtel auf Instagram, und die Leute finden es lustig. Söder isst halt.

Es ist fast öde, sich darüber aufzuregen. Ein bisschen Spaß in trüben Zeiten schadet keinem. Doch was passiert, wenn alles nur noch lustig ist?

Berliner Mülleimer mit dem Schriftzug „Tooor!“ zur Fussball-Europameisterschaft
Politiker sollen heute nahbar und authentisch sein, sagen ihre teuren PR-Berater und Apple-Watch-tragenden Wahlkampfmanager. Was gut auf Power-Point-Folien klingt, sieht in der Umsetzung dann so aus: Ministerinnen versuchen auf TikTok irgendeinem Trend hinterher zu tanzen, Annalena Baerbock filmt sich mit „Sex and the City“-Musik in New York und macht sich über ihr Denglisch lustig, Markus Söder hält „Star Wars“-Tassen in die Kamera.
Das Problem ist nur, dass Politiker und Institutionen qua Funktion nicht lustig oder ironisch sein sollen. Denn Ironie wirkt wie Teflon. Ironie und Humor bieten eine Flucht aus der Verantwortung, also jener Sphäre, der sich Politiker und staatliche Akteure eigentlich verschreiben sollten.

Für Hannah Arendt ist Politik ein Raum von Urteilskraft, Verantwortung, Öffentlichkeit und Konsequenz. Politisches Handeln verlangt also, dass etwas gemeint ist. Wenn Minister ihre politischen Misserfolge wegtanzen oder die Deutsche Bahn ihre chronische Verspätung ironisch verhöhnt, verlieren sie ihre Verbindlichkeit. Sie werden glitschig, Kritik tropft an ihnen ab. Damit schwächen sie das Vertrauen der Bürger in ihre Daseinsberechtigung.

Das hat auch Alice Weidel verstanden. Wenn die AfD-Politikerin ans Rednerpult tritt, inszeniert sie die kalkulierte Harmlosigkeit einer biederen Oberstudienrätin auf einem Elternabend, aber mit einem Tonfall, der zwischen Ironie und Herablassung schwebt: ihre nach oben verzogenen Mundwinkel, die nie ganz ein Lächeln formen. Sie tarnt Spott als Sachlichkeit, ihre nasale Süffisanz wirkt wie eine rhetorische Versicherung. Alles klingt halb im Scherz gesagt, mit diesem leicht gedehnten Unterton.

Sie stellt Behauptungen in den Raum, als seien sie bloß nüchterne Feststellungen, und versieht sie mit einem spitzen Nachsatz, der Beifall im eigenen Lager garantiert. Der Witz dient dabei weniger der Erhellung als der Entwertung des politischen Gegners. Er macht die politische Mitte zu Karikaturen und komplexe Probleme zu Pointen.

So entsteht eine Redeweise, die scheinbar gelassen bleibt, während sie systematisch unterhöhlt. Ironie wird zur Schutzschicht gegen Festlegung, zur eleganten Flucht aus der Verantwortung: Wer alles nur halb meint, lässt sich nie ganz beim Wort nehmen. Humor aber wird gefährlich, wenn er das Verbindliche ersetzt, das einmal ernst gemeint war.

Dafür sind wenigstens die Comedians humorlos

Wenn Politiker zu Comedians werden, was bleibt dann den professionellen Humoristen? Wer sich die Auftritte von Jan Böhmermann, Dieter Nuhr oder Monika Gruber ansieht, kommt selbst auf die Antwort: Comedians werden zu Politikern. Statt albern rumzublödeln oder Mächtige zu karikieren, nehmen sie sich wichtig und belehren.

Jan Böhmermann, der mit seinem Ziegenficker-Gedicht einst den türkischen Machthaber Erdogan kritisierte, hat kaum noch Interesse an humorvoller Herrschaftskritik. Warum auch? Er sitzt selbst institutionell und finanziell abgefedert und in Satire-Watte gepackt im ZDF, kann in dieser komfortablen Position viel besser selbst Politik betreiben. Immer wenn ihm das zum Vorwurf gemacht wird, ruft er „Satire!“.

Jan Böhmermann

In der Causa Schönbohm, zum Beispiel, warf er dem damaligen Präsidenten des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik und CDU-Mitglied in seiner ZDF-Sendung Nähe zu russischen Einflussnetzwerken vor und sagte, Arne Schönbohm sei eine Gefahr für die Cyber-Sicherheit in Deutschland. Die damalige Innenministerin Nancy Faeser (SPD) entfernte Schönbohm ohne Prüfung der Vorwürfe von seinem Posten. Inzwischen hat das Landgericht München die Anschuldigungen von Böhmermann untersagt. Auch hier hatten die ZDF-Anwälte auf „Satire“ verwiesen.

Spätestens seitdem ist klar, dass seine Sendung „Magazin Royale“ nicht mehr das junge, wilde Ulknudelformat des ZDF ist. Sie ist vielmehr Böhmermann persönliches Machtinstrument, um Debatten zu verschieben, politischen Druck aufzubauen oder institutionelle Reaktionen auszulösen.

Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Es würde guttun, wenn dem so wäre. Doch wer sich Dieter Nuhr in der ARD ansieht, der wartet minutenlang auf etwas, was man einen Witz nennen würde. Denn er steht da und kommentiert stirnrunzelnd das Weltgeschehen im „Früher-war-alles-besser“-Duktus.

Nicht falsch verstehen: Es ist nur fair und Teil der Meinungsvielfalt, dass auch auf der anderen Seite des politischen Spektrums jemand bei den Öffentlich-Rechtlichen so tun darf, als würde er Comedy machen. Aber auch hier ist es eine Mogelpackung, denn man sucht in Nuhrs verbalem Kopfschütteln vergeblich nach den Witzen, die dann doch wie eine Pointe aus einer Bundestagsrede eines Hinterbänklers klingen: „Das ist Deutschland. Dieser Glaube, dass man eine Industrienation sein kann ohne Industrie.“

Wo früher der Witz die Kritik transportierte, trägt heute die Haltung den Abend. Nuhr argumentiert, bewertet, warnt und nutzt den Applaus als Bestätigung einer politischen Lesart.

Wer das Prinzip „politische Empörung statt Entertainment“ hervorragend durchdrungen hat, ist die hemdsärmelige Monika Gruber. Im Sommer 2023 trat sie in Erding unter anderem mit dem komödiantischen Ausnahmetalent und bayerischem Vize-Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger auf, um gegen Habecks Heizungsgesetz zu demonstrieren.

Obwohl die Ampel-Regierung eigentlich die Hochzeit fürs politische Kabarett hätte sein müssen, riss Monika Gruber keine Witze mehr, sie machte jetzt Politik. Zum Abschied rief sie den Demo-Teilnehmern zu: „Das war heute erst der Anfang. Wir schaffen es nur miteinander, wir helfen alle zusammen.“ Was früher als Pointe endete, endet jetzt im Applaus für die eigenen Landespolitiker.

Monika Gruber, Kabarettistin und Mitveranstalterin der Demonstration „Stoppt die Heizungsideologie“

Aiwanger zeigte sich entsprechend angetan und schmalzte: „Du bist unsere Heldin von Erding und von Bayern und du wirst die Heldin von ganz Deutschland werden. Du hast einen Stein ins Rollen gebracht, der der Ampel in Berlin den Boden unter den Füßen wegziehen wird.“ Als Kabarettistin stand sie eigentlich neben der Politik und hielt ihr den Spiegel vor. Jetzt stand sie mittendrin und hält das Mikro. Aus der Hofnärrin ist eine Festrednerin geworden.

Moderne Gesellschaften funktionieren durch Arbeitsteilung. Jeder hat seine Rolle mit den dazugehörigen Pflichten. Die Berliner Straßenreinigung soll die Gehsteige räumen und überfüllte Mülleimer leeren, aber nicht Menschen zum Lachen bringen. Die Deutsche Bahn soll Menschen ans Ziel bringen. Politiker sind dem Gemeinwohl verpflichtet. Wenn sie das nicht schaffen, braucht es ein Korrektiv. Kabarettisten und Comedians sind ein solches. Wenn Comedians Politik machen wollen, erlischt der Humor

Fehlt das Lachen, dominieren moralische Absolutismen: richtig und falsch, Freund und Feind. Eine Gesellschaft ohne Lachen wird gereizter. Sie reagiert empfindlicher, nervöser, verletzlicher. Ironie wird missverstanden, Überzeichnung wörtlich genommen, Zuspitzung für Propaganda gehalten. Wie wäre es also, wenn einfach alle wieder ihren Job machen? Eine Gesellschaft funktioniert nicht, wenn keiner mehr seinen Job machen will. Darüber könnten Gruber und Nuhr doch mal ein Comedy-Programm schreiben.

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Eine Tomate fliegt, ein Mann wird festgenommen – der Besuch eines Volksfests am Chiemsee wurde am Sonntagnachmittag für CSU-Chef Söder ungemütlich. Was der Grund für den Wurf der Tomate war, ist auch am Tag danach nicht bekannt.

Nach dem Tomatenwurf auf Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bleibt die Motivlage des Täters weiter unklar. Polizei und Staatskanzlei wollten sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht zu den bisher gewonnenen Erkenntnissen äußern, sie begründeten dies mit dem „laufenden Verfahren“. Söder war bei dem Wurf zwar getroffen, aber nicht verletzt worden. Die Kriminalpolizei Rosenheim leitet die Ermittlungen.

Söders Sicherheitsleute überwältigten Angreifer

Am Sonntagnachmittag war es bei einer Veranstaltung am Chiemsee zu dem Vorfall gekommen, bei dem Söder mit einer Tomate beworfen wurde. Bei dem Fest feierte die Gemeinde Bernau am Chiemsee ihr 1.100-jähriges Bestehen. Auf einem von der „Bild“-Zeitung im Internet veröffentlichten Video des Vorfalls ist zu sehen, wie die Sicherheitsbeamten von Söder auf dem Festgelände einen Mann überwältigten und zu Boden drückten. Herbeigerufene Polizisten legten ihm Handschellen an.

Mehrere Tomaten lagen auf dem Boden verteilt

Um den Mann herum lagen mehrere Tomaten auf dem matschigen Boden. Geworfen hatte er nach dpa-Informationen aber nur eine Tomate. Söder selbst ging im Hintergrund weiter und wischte sich mit einem Taschentuch das linke Ohr sauber. Öffentlich geäußert hat sich Söder zu dem Vorfall bislang nicht – am Abend hatte er auf der Plattform X ein Foto von einer Jubiläumsfeier gepostet, ohne den Vorfall zu erwähnen.

Grünen-Fraktionschefin Schulze verurteilt Angriff auf Söder

Grünen-Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze verurteilte den Angriff: „Man wirft nichts auf Menschen, weder Tomaten noch Steine. Das bringt man schon kleinen Kindern bei.“ Der ehemalige CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner sagte der Deutschen Presse-Agentur, es sei alles ganz schnell gegangen. Die LKA-Mitarbeiter hätten jedoch äußerst professionell reagiert und in Sekundenschnelle zugegriffen. „Der Ministerpräsident blieb sehr souverän, wischte sich die Tomate einfach weg und dann war auch schon wieder alles in Ordnung.“

2022 wurde Söder mit Eiern beworfen

Für den CSU-Chef war es nicht der erste Vorfall dieser Art. 2022 hatte ein 44-Jähriger ihn auf einem Feuerwehrfest in Taching am See mit zwei Eiern beworfen, diese hatten aber Söder nicht getroffen. Gegen den Mann wurde damals wegen versuchter Körperverletzung ein Strafverfahren eingeleitet.

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Wenn man die internationalen Reisemagazine des Jahres 2026 aufschlägt, fällt ein Titel immer wieder ins Auge: „Germany: The Unexpected Destination“. Die Bundesrepublik, lange Zeit eher als wirtschaftliches Kraftzentrum und Pflichtprogramm für Geschäftsreisende wahrgenommen, hat sich zu einem der aufregendsten Reiseziele der Welt gemausert. Die Kombination aus tiefer kultureller Verwurzelung, atemberaubender Natur und einem pulsierenden, modernen Zeitgeist macht Deutschland 2026 zum Bucket-List-Reiseziel. Hier sind zehn Gründe, warum dieses Jahr das Jahr Deutschlands wird.

Erstens: Die Romantik der Wälder. In einer Welt, die immer lauter und digitaler wird, sehnen sich die Menschen nach Stille und Natur. Deutschlands Wälder, allen voran der Schwarzwald, der Bayerische Wald und die Lüneburger Heide, bieten eine Mystik, die in den Reiseführern der Romantiker des 19. Jahrhunderts beschrieben wurde. Die neuen, nachhaltigen „Waldbaden“-Konzepte und luxuriöse Baumhaushotels machen dieses Erlebnis greifbar.

Zweitens: Die Schlösser und Burgen. Vergessen Sie den Massentourismus an der Neuschwanstein. Deutschland hat tausende von Burgen und Schlössern, die neu interpretiert werden. Die Burg Eltz oder das Schloss Sigmaringen bieten nicht nur Geschichte, sondern immersive Erlebnisse, bei denen die Geschichte durch Augmented Reality und lebendige Handwerkskunst wieder zum Leben erweckt wird.

Drittens: Die kulinarische Renaissance. Wie die „Culinary Germany“-Kampagne zeigt, ist das Essen in Deutschland besser, regionaler und kreativer denn je. Von der Sterneküche bis zum perfekten Streetfood – der Gaumen kommt auf jeder Reise auf seine Kosten.

Viertens: Die Festival-Kultur. Deutschland ist das Land der Festivals. Im Sommer 2026 reicht die Palette vom klassischen Bayreuther Festival über die documenta in Kassel bis hin zu den riesigen Techno-Veranstaltungen in Berlin und den Jazz-Festivals in München. Für jeden Geschmack gibt es ein Event, das weltweit seinesgleichen sucht.

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Es gibt Momente im Leben eines Weinkenners, die sich wie eine Offenbarung anfühlen. Einer dieser Momente ereignete sich kürzlich in einem der angesagtesten Restaurants in Tokio. Ein japanischer Sommelier, bekannt für seine penible Auswahl und seine Vorliebe für die großen Gewächse des Burgunds, öffnete eine Flasche, die nicht aus Frankreich, Italien oder Kalifornien stammte. Er schenkte ein, und der Raum verstummte. Es war ein Riesling von der Mosel. In diesem Augenblick wurde wieder einmal deutlich: Der deutsche Riesling hat die Weltspitze nicht nur erreicht, er hat sie sich zurückerobert. Und der Hype, der ihn umgibt, reißt nicht ab. Im Gegenteil, er wird von Jahr zu Jahr intensiver.

Der Riesling war lange Zeit das Opfer seines eigenen Erfolgs. In den 70er und 80er Jahren wurde er in Massenproduktion hergestellt, oft zu süß, zu dünn und in Flaschen abgefüllt, die an Liebeskummer erinnerten. Das Image war ruiniert. Doch während die Welt wegschaute, arbeiteten die Winzer an der Mosel, an der Nahe, an der Rheingau und an der Ahr im Verborgenen an einer leisen Revolution. Sie besannen sich auf ihre Stärken: die steilen Schieferhänge, das kühle Klima, die mineralischen Böden und die einzigartige Fähigkeit der Rebsorte, Terroir wie keine andere auf die Flasche zu bringen.

Heute, im Jahr 2026, ist der deutsche Riesling der Liebling der globalen Sommelier-Elite. In New York, Kopenhagen, London und Melbourne stehen die großen Gewächse (GG) von der Mosel auf den Weinkarten der Drei-Sterne-Restaurants, oft teurer und gefragter als die großen weißen Burgunder. Was fasziniert die Welt an diesem Wein? Es ist die Spannung. Ein großer deutscher Riesling ist ein Meisterwerk der Balance. Er vereint eine messerscharfe, vibrierende Säure mit einer tiefen, steinigen Mineralität und einer Fruchtfülle, die von grüner Appleschale über weiße Pfirsiche bis hin zu reifer Aprikose reicht. Und dann ist da diese legendäre Petrolnote, die in der Jugend noch verschlossen ist, sich aber mit der Reife zu einem komplexen, fast würzigen Aroma entwickelt, das Kenner weltweit verehren.

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Jahrelang war es das am besten gehütete, aber schmerzhafteste Geheimnis der klassischen Musikwelt: Wer zu den Bayreuther Festspielen pilgerte, musste sich kulinarisch auf einen harten Test der Geduld einstellen. Die Gastronomie in der Wagner-Stadt galt als trist, überteuert und einfallslos. Die Festspielgäste, oft eine anspruchsvolle Klientel aus Kulturinteressierten, Prominenten und Mäzenen, aßen meist schnell und schlecht, nur um dann fünf Stunden lang im dunklen Festspielhaus zu versinken. Doch zum 150. Jubiläum des Festivals 2026 hat sich die Stadt nicht nur künstlerisch neu erfunden, sondern auch gastronomisch einen Quantensprung gemacht. Bayreuth ist für Genießer wieder attraktiv geworden. Wir stellen fünf Restaurants vor, die Wagner-Fans nicht nur satt, sondern glücklich machen.

Das „Grüne Hügel Bistro“, direkt am Fuße des Festspielhügels gelegen, ist der neue Treffpunkt der jungen, avantgardistischen Opernszene. Das Konzept: Schnelle, aber hochpräzise Küche, die man auch in der kurzen Pause des zweiten Akts genießen kann. Die Karte wechselt wöchentlich und basiert strikt auf den Produkten der oberfränkischen Landwirtschaft. Das Signature-Gericht ist ein hauchzart gegarter oberfränkischer Karpfen auf einem Spiegel aus fermentiertem Sellerie und Dillöl. Es ist ein Gericht, das die Region ehrt, aber modern interpretiert. Die Atmosphäre ist laut, lebendig und perfekt, um nach den ersten drei Stunden „Rheingold“ die Eindrücke zu diskutieren.

Für das große Dinner vor der Vorstellung ist das „Restaurant Sanspareil“ im historischen Eremitage-Park die erste Wahl. Das Restaurant hat sich auf die Neuinterpretation der bürgerlichen Küche des 19. Jahrhunderts spezialisiert – genau die Zeit, in der Wagner seine größten Werke schuf. Hier isst man in einem Ambiente, das von Samt, dunklem Holz und Kerzenlicht geprägt ist. Das Highlight ist der „Wagner-Teller“: eine moderne Variation des klassischen Böfflamott, eines in Rotwein marinierten Rindfleisches, das hier jedoch mit Trüffel, Pastinakenpüree und einer Jus aus Wacholder und Pflaumen veredelt wird. Ein schweres, aber unglaublich harmonisches Gericht, das perfekt auf die Wucht der Wagnerschen Klänge vorbereitet.

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Wenn man durch die Straßen von Kreuzberg oder Neukölln schlendert, weht einem ein Duft entgegen, der so komplex und vielschichtig ist wie die Stadt selbst. Es ist der Geruch von geröstetem Sesam, von simmernden Knochenbrühen, von frisch gebackenem Fladenbrot und von geschmolzenem Bergkäse. Berlin war schon immer eine Stadt der Migranten, eine Stadt, in der die Gastarbeiterkultur das Stadtbild und den Alltag geprägt hat. Doch was in den letzten zwei Jahren in der Berliner Gastronomieszene passiert ist, hat selbst die hartgesottensten Food-Kritiker überrascht: Die einstige Streetfood-Kultur der Einwanderer hat den Einzug in die Haute Cuisine gehalten. Berlin erlebt eine heimliche Michelin-Revolution, bei der Döner, Pho und Spätzle plötzlich auf Augenhöhe mit Hummer und Trüffel spielen.

Der Auslöser für diesen Wandel war eine subtile, aber radikale Veränderung in den Bewertungskriterien des Guide Michelin. Die Inspektoren begannen, nicht mehr nur das klassische, französische Fine-Dining-Korsett zu bewerten, sondern die Authentizität, die handwerkliche Tiefe und die kulturelle Bedeutung eines Gerichts. Und plötzlich standen die roten Sterne nicht mehr nur über den Türen der etablierten Luxuslokale, sondern auch über unscheinbaren Eingängen in Hinterhöfen und an vielbefahrenen Ausfallstraßen.

Ein Paradebeispiel ist ein kleines Lokal in Neukölln, das vor drei Jahren noch als einfacher vietnamesischer Imbiss begann. Heute serviert der Küchenchef, ein Sohn vietnamesischer Bootsflüchtlinge, eine „Pho de Luxe“. Die Brühe wird 48 Stunden aus markreichen Rinderknochen, geröstetem Sternanis und secret spices gekocht. Das Fleisch ist Dry-Aged Beef aus brandenburgischer Weidehaltung. Für dieses Gericht, das die Essenz der vietnamesischen Seele mit der Qualität deutscher Agrarprodukte verbindet, gab es im Frühjahr den ersten Stern. Es ist eine Symbiose, die zeigt, dass Integration auf dem Teller am besten schmeckt.

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Lange Zeit wurde die deutsche Küche international mit einem schiefen Lächeln betrachtet. Die Klischees von schwerem Schweinebraten, sauerkrautlastigen Beilagen und dem allgegenwärtigen Schnitzel hielten sich hartnäckig, während die kulinarische Welt nach Frankreich, Italien oder in die aufstrebenden asiatischen Metropolen blickte. Doch im Jahr 2026 hat sich dieses Bild nicht nur gewandelt, es ist komplett zerbröselt. Die German National Tourist Board (GNTB) hat mit der globalen Kampagne „Culinary Germany“ einen Nerv getroffen, der weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinauswellt. Die Welt isst endlich deutsch – aber nicht das Deutschland aus den Omas Kochbüchern, sondern ein Land, das seine kulinarische Identität neu, radikal und mit tiefem Respekt vor den regionalen Wurzeln erfunden hat.

Der Erfolg dieser Kampagne basiert auf einem Paradigmenwechsel, der sich in den letzten fünf Jahren in den Küchen der Republik vollzogen hat. Eine neue Generation von Köchinnen und Köchen hat sich von den klassischen französischen Techniken und der molekularen Schaumküche verabschiedet. Stattdessen entdecken sie die vergessenen Schätze der deutschen Flora und Fauna. Auf den Tellern in München, Hamburg oder Freiburg landen heute fermentierte Waldpilze, geräucherter Aal aus der Müritz, alte Gemüsesorten wie der Schwarzwurzel oder das Bamberger Hörnla, und Kräuter, die nur auf den Alpenwiesen wachsen. Es ist eine Küche, die nicht schreit, sondern flüstert. Sie ist erdig, komplex und erzählt eine Geschichte von der Landschaft, aus der sie stammt.

Die internationale Resonanz ist überwältigend. Food-Kritiker der „New York Times“ und des „Guardian“ reisen nicht mehr nur nach Berlin, um den besten Döner der Welt zu essen, sondern sie pilgern in die ländlichen Regionen, um die neue deutsche Landküche zu zelebrieren. In Kopenhagen, Tokio und New York popping up derzeit deutsche Pop-up-Restaurants, die binnen Stunden ausverkauft sind. Der Begriff „Terroir“, einst das alleinige Privileg des französischen Weins, wird nun auf deutsche Produkte angewendet. Man spricht vom „Terroir“ des Spreewälder Meerrettichs oder der Lüneburger Heidekartoffel.

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Es ist die ambitionierteste industrielle Strategie, die die Bundesrepublik seit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelegt hat. 18 Milliarden Euro, gebündelt in der „High-Tech Agenda 2030″, sollen nicht weniger bewirken, als Deutschland aus der technologischen Defensive zu führen und in ausgewählten, zukunftsweisenden Sektoren die weltweite Spitze zu erobern. Doch anstatt das Geld mit der Gießkanne über die gesamte Wirtschaft zu verteilen, hat sich die Regierung für einen radikalen Fokus entschieden. Sechs spezifische Technologiefelder wurden identifiziert, in denen Deutschland bereits über versteckte Stärken verfügt und durch gezielte Investitionen einen globalen Vorsprung aufbauen kann. Ein Blick in diese sechs Felder zeigt, wie der deutsche Innovationsmotor der Zukunft aussehen soll.

Das erste und wichtigste Feld ist die Industrielle Künstliche Intelligenz. Anders als der Fokus auf generative KI in den USA, konzentriert sich Deutschland hier auf „KI am Edge“, also direkt in der Maschine. Das Geld fließt in Projekte, die KI-Modelle so klein und effizient machen, dass sie in einem Roboterarm oder einer Turbine laufen, ohne auf eine Cloud-Verbindung angewiesen zu sein. Dies schützt nicht nur sensible Produktionsdaten, sondern macht die deutsche Fertigung unanfällig für Netzausfälle und Cyberangriffe.

Zweitens: Quantentechnologie. In Forschungszentren wie Jülich und München entstehen gerade die Grundsteine für die Computer von morgen. Die 18-Milliarden-Agenda sieht massive Investitionen in die Hardware-Entwicklung von Qubits vor, aber auch in die Software-Algorithmen, die diese Maschinen einmal steuern sollen. Das Ziel ist nicht der universelle Quantencomputer, sondern spezialisierte Quantensensoren, die beispielsweise in der medizinischen Bildgebung oder der Materialforschung bahnbrechende neue Erkenntnisse liefern können, lange bevor der „große“ Quantencomputer marktreif ist.

Drittens: Biotechnologie und GenBio. Die Pandemie hat die Verletzlichkeit globaler Lieferketten in der Pharmazie gezeigt. Deutschland will hier unabhängig werden. Die Fördergelder unterstützen die Entwicklung von mRNA-Plattformen der nächsten Generation, synthetischer Biologie und vertikaler, KI-gesteuerter Landwirtschaft. Es geht darum, die Schnittstelle zwischen Biologie und Informatik zu beherrschen, um maßgeschneiderte Therapien und nachhaltige Nahrungsmittelproduktion direkt vor Ort zu ermöglichen.

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Es ist 22:30 Uhr in der Nachrichtenredaktion eines großen deutschen Verlagshauses. Früher wäre dies die Zeit des hektischen Telefonierens, des letzten Faktencheckings und des verzweifelten Ringens um die Titelseite oder den Sendeplatz gewesen. Heute ist es ruhig. Auf den Monitoren laufen Skripte durch, die von einem KI-System generiert wurden, das die Nachrichtenagenturen, soziale Medien und interne Datenbanken in Echtzeit scannt. Ein menschlicher Redakteur sitzt davor, aber seine Aufgabe hat sich fundamental gewandelt: Er ist nicht mehr der Autor, sondern der Kurator, der Kontrolleur, der „Human-in-the-Loop“. Die Medienlandschaft in Deutschland befindet sich mitten in einem radikalen Umbau, bei dem künstliche Intelligenz nicht nur als Werkzeug dient, sondern zunehmend redaktionelle Kernkompetenzen übernimmt. Und das wirft eine brisante Frage auf: Wer kontrolliert eigentlich noch die Narrative, die wir täglich konsumieren?

Die Ökonomie treibt diesen Wandel gnadenlos voran. Die Werbeeinnahmen im klassischen Print- und linearen Fernsehgeschäft brechen weiter ein, während die Kosten für qualitativ hochwertigen, investigativen Journalismus steigen. KI verspricht hier den heiligen Gral der Medienökonomie: die drastische Senkung der Produktionskosten bei gleichzeitiger Steigerung des Output-Volumens. Große Player wie Axel Springer haben bereits vor Jahren begonnen, massiv in KI-Startups zu investieren und eigene Modelle zu trainieren. Auch die öffentlich-rechtlichen Sender experimentieren in geschlossenen Umgebungen mit automatisierten Zusammenfassungen von Landtagssitzungen oder der Generierung von Sport-Tickern. Die Technologie ist da, und sie funktioniert erstaunlich gut – zumindest auf den ersten Blick.

Doch die Schattenseiten dieser Effizienz sind gravierend. Das größte Risiko ist die subtile Verzerrung, die sogenannte „Halluzination“ oder der algorithmische Bias. Wenn eine KI einen Artikel über ein komplexes wirtschaftliches Thema zusammenfasst, basiert dies auf den Daten, mit denen sie trainiert wurde. Fehlen Nuancen oder sind die Quellendaten einseitig, reproduziert und verstärkt die KI diese Einseitigkeit, ohne dass ein menschlicher Redakteur dies auf den ersten Blick erkennt. Die Gefahr ist nicht die böswillige Fälschung, sondern die schleichende Erosion von journalistischer Tiefe und Kontext. Ein von KI generierter Text ist oft glatt, grammatikalisch perfekt und inhaltlich hohl.

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