Doch RTL verteidigt die Strategie mit dem Verweis auf das veränderte Nutzerverhalten. Die Zielgruppe wolle keine langen Reportagen mehr, sondern schnelle, visuelle Updates auf dem Smartphone. Die KI liefere genau das, und zwar in einer Qualität und Frequenz, die menschliche Redaktionen schlichtweg nicht leisten könnten. Zudem argumentiert der Sender, dass die Journalisten nun mehr Zeit für die tiefgehenden, hintergründigen Formate hätten, die weiterhin von Menschen gemacht werden. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten. Kritiker warnen davor, dass die Grenze zwischen seriösem Journalismus und reinem Content-Farming endgültig verschwimmt.
Rechtlich und ethisch wirft der Einsatz von KI in der Promi-Berichterstattung zudem massive Fragen auf. Wenn Algorithmen Bilder von Prominenten nutzen, um fiktive Szenarien zu illustrieren, oder wenn Deepfakes in den Nachrichtensendungen Einzug halten, wo bleibt dann das Recht am eigenen Bild? Der Deutsche Journalisten-Verband hat bereits Klage angedroht und fordert klare Kennzeichnungspflichten. Für das Publikum bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Eine weitere Verschiebung der Wahrnehmung. Wenn die Nachrichten über die Stars und Sternchen nicht mehr von Menschen stammen, die ihnen begegnet sind, sondern von einer Maschine generiert werden, verliert die Prominenz ihren letzten Rest an Authentizität. Wir blicken in einen Spiegel, der uns von einem Algorithmus vorgehalten wird – und fragen uns, ob uns das überhaupt noch interessiert.
