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VivaTech 2026: Warum plötzlich alle auf „Made in Germany“ schauen

von Hewett Oller

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Auf dem glänzenden Messegelände von Paris, wo sich sonst vor allem schillernde französische Startups und kalifornische Tech-Giganten mit lautstarken Versprechen überbieten, herrscht in diesem Jahr eine ungewöhnliche Ruhe an einem bestimmten Stand. Es ist kein minimalistischer, von Neonlichtern durchfluteter Pavillon, der die Blicke auf sich zieht, sondern eine massive, fast schon brutalistische Installation aus Stahl und Glas, in der sich echte, physische Maschinen bewegen. Willkommen beim deutschen Gemeinschaftsstand auf der VivaTech 2026. Zum ersten Mal seit Jahren ist es nicht die Frage, ob Deutschland auf der größten Tech-Messe Europas vertreten ist, sondern warum alle anderen plötzlich versuchen, von der deutschen Expertise zu lernen. Das Narrativ hat sich gedreht: „Made in Germany“ ist im Tech-Kontext kein Synonym mehr für langsame Bürokratie, sondern für robuste, skalierbare Industrielle KI.

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Während die amerikanischen Kollegen auf der Bühne noch immer vor allem über die nächsten Versionen von generativen Textmodellen und virtuellen Influencern sprechen, haben die deutschen Aussteller den Fokus radikal auf das gesetzt, was die Welt gerade am dringendsten braucht: die Anwendung von KI in der physischen Welt. Ein Gründer aus Stuttgart, dessen Unternehmen Software für die vorausschauende Wartung von Windkraftanlagen entwickelt, bringt es auf den Punkt: „Die Welt hat genug Chatbots. Was die Industrie jetzt braucht, sind Algorithmen, die verstehen, wie sich ein Getriebe anfühlt, kurz bevor es bricht. Und genau das können wir.“ Diese Haltung der technologischen Bescheidenheit gepaart mit tiefgreifender ingenieurwissenschaftlicher Kompetenz kommt bei den internationalen Investoren, die sonst eher auf Hype setzen, überraschend gut an.

Die französische Presse, traditionell eher skeptisch gegenüber der deutschen Wirtschaftsdynamik, titelt in diesem Jahr wohlwollend über die „deutsche Rückkehr“. Besonders die Zusammenarbeit zwischen etablierten DAX-Konzernen und jungen KI-Scale-ups wird als Vorbild hervorgehoben. Wo früher große Unternehmen kleine Startups nur gekauft haben, um sie stillzulegen, entstehen jetzt echte Ökosysteme. Auf der VivaTech wird ein Joint Venture vorgestellt, bei dem ein deutscher Automobilzulieferer und ein Berliner KI-Startup gemeinsam eine offene Plattform für maschinelles Sehen in der Qualitätskontrolle entwickelt haben. Diese Plattform ist bereits so konzipiert, dass sie auch kleineren Herstellern in Südeuropa zur Verfügung gestellt werden kann. Es ist ein strategischer Schachzug, der Deutschland nicht nur als Lieferanten, sondern als Enabler der europäischen Souveränität positioniert.

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