Viertens: Raumfahrt und New Space. Bremen und Berlin haben sich zu heimlichen Hotspots der europäischen Raumfahrt entwickelt. Die Agenda fördert nicht nur die traditionelle Satellitenkommunikation, sondern explizit den Aufbau einer kommerziellen Trägerraketen-Infrastruktur in Europa. Das Ziel ist ein souveräner Zugang zum Orbit, um die wachsende Abhängigkeit von nicht-europäischen Startdienstleistern zu beenden und die deutsche Satellitentechnologie global zu vermarkten.
Fünftens: Grüne Wasserstoff- und Energietechnologie. Deutschland hat die Energiewende nicht nur als ökologische, sondern als industrielle Notwendigkeit begriffen. Die Investitionen fließen in die Entwicklung hocheffizienter Elektrolyseure, in die Speicherung von Wasserstoff in neuen chemischen Verbindungen und in die Intelligenz der Stromnetze (Smart Grids). Wer die Technologie beherrscht, um grüne Energie effizient zu speichern und zu transportieren, wird im 21. Jahrhundert die gleiche geopolitische Macht haben wie heute die Ölproduzenten.
Sechstens: Fortschrittene Robotik und Autonome Systeme. Dies ist die logische Ergänzung zur industriellen KI. Gefördert wird die Entwicklung von Robotern, die sicher mit Menschen zusammenarbeiten (Cobots), sowie von autonomen Transportsystemen für die Logistik und die Landwirtschaft. Der Fokus liegt dabei auf der mechanischen Präzision „Made in Germany”, die nun mit deutscher Software-Intelligenz unterfüttert wird.
Die Kritik an dieser Sechs-Säulen-Strategie ist nicht ausgeblieben. Ökonomen warnen vor „Picking Winners”, also der Gefahr, dass die Politik die falschen Technologien fördert und den Markt verzerrt. Andere monieren, dass 18 Milliarden im globalen Maßstab, verglichen mit den Subventionen des US Inflation Reduction Act oder chinesischen Staatsfonds, immer noch zu wenig seien.
Doch die Befürworter der Agenda halten dagegen, dass es nicht um die absolute Höhe der Summe geht, sondern um die strategische Hebelwirkung. Diese 18 Milliarden sollen privates Kapital anziehen, bürokratische Hürden einreißen und eine kritische Masse an Talenten im Land halten. Es ist ein Wetten auf die deutsche Tugend: nicht der Erste zu sein, der eine Idee hat, sondern der Beste darin, sie zu perfektionieren, zu skalieren und in robuste, vertrauenswürdige Produkte zu verwandeln. Wenn auch nur drei dieser sechs Felder die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen, wird sich die deutsche Wirtschaftslandschaft in den nächsten zehn Jahren grundlegend und zum Positiven verändern.
