Der Flug zurück nach Frankfurt war still. Sehr still. In der Maschine, die die deutsche Nationalmannschaft nach dem desaströsen Achtelfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft nach Hause brachte, herrschte eine Atmosphäre, die schwerer wog als die bloße Enttäuschung über ein verlorenes Spiel. Es war die Stille der Erkenntnis. Die Spieler wussten es, der Trainerstab wusste es, und die Funktionäre im DFB-Präsidium wussten es ebenfalls: Dieses frühe Ausscheiden ist kein Betriebsunfall. Es ist das logische, unvermeidbare Ergebnis eines Systems, das sich zu lange auf vergangenen Erfolgen ausgeruht hat. Wenn der Deutsche Fußball-Bund jetzt nicht den Mut aufbringt, wirklich alles auf den Kopf zu stellen, dann droht der deutsche Fußball in die mittlere Bedeutungslosigkeit abzurutschen.
Das Problem beginnt nicht erst auf dem Rasen in den USA oder Mexiko, wo die Mannschaft in den entscheidenden Momenten die nötige Härte und Cleverness vermissen ließ. Das Problem wurzelt tief in den Strukturen des deutschen Fußballs, in den Nachwuchsleistungszentren, in der Ausbildung der Trainer und in der Philosophie, die den DFB seit über einem Jahrzehnt leitet. Das legendäre „Die Mannschaft“-Projekt, das 2014 den WM-Titel brachte, hat sich zu einem starren Korsett entwickelt. Man hat versucht, die Prinzipien von damals mit den Spielern von heute zu reproduzieren, ohne zu erkennen, dass sich der Fußball global rasant weiterentwickelt hat. Während Deutschland an seiner eigenen Identität festhielt, haben andere Nationen – allen voran England, Frankreich und Spanien – ihre Systeme radikal modernisiert.
Ein Blick auf die Talentförderung zeigt das ganze Ausmaß des Versagens. In den frühen 2010er Jahren produzierte Deutschland Jahr für Jahr Weltklassespieler, die in den Top-Ligen Europas die Fäden zogen. Heute fehlen diese Typen. Die Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten produzieren zwar technisch versierte Spieler, aber es fehlt ihnen an der physischen Robustheit, an der taktischen Variabilität und vor allem an der mentalen Widerstandskraft, die auf internationalem Parkett gefordert ist. Man hat sich zu sehr auf ein bestimmtes Spielsystem fokussiert und dabei vergessen, dass Fußball ein Spiel der Unvorhersehbarkeit ist. Die Spieler, die jetzt im Kader stehen, sind oft Produkte dieses einheitlichen Systems: sie funktionieren gut im Kollektiv, aber ihnen fehlt die individuelle Brillanz, die Spiele entscheidet.
