Doch was die Gemüter in der Heimat und in den Medien am meisten erregte, war die Pressekonferenz nach dem Spiel. Jürgen Klopp, sonst bekannt für seine emotionale, mitreißende Art, für seine lauten Worte und die Fähigkeit, auch nach Niederlagen den Blick nach vorne zu richten, wirkte wie ausgewechselt. Er setzte sich an das Mikrofon, starrte sekundenlang auf den Tisch, und schwieg. Als ein Journalist schließlich nach den Gründen für das taktische Versagen in der zweiten Halbzeit fragte, lehnte sich Klopp vor, sagte mit leiser, fast brüchiger Stimme: „Wir hatten heute nicht den Mut, das Spiel zu uns zu ziehen. Ich habe keine Antworten, die euch heute beruhigen würden“, und verließ den Raum. Kein „Wir sind stolz“, kein „Kopf hoch“, keine Analyse. Nur Stille.
Dieses Schweigen ist lauter als jede Wutrede. Es ist das Eingeständnis eines Trainers, der an seine Grenzen gestoßen ist. Klopp hatte diese Mannschaft übernommen, um ihr wieder eine Seele, ein Herz und vor allem eine aggressive, dominante Pressing-Identität zu geben. Doch gegen einen Gegner, der den Ball bewusst hergab und die Räume zustellte, verpuffte diese Identität. Die Mannschaft wirkte in den entscheidenden Momenten nicht wie eine Einheit, die füreinander kämpft, sondern wie eine Ansammlung von Individualisten, die sich vor dem eigenen Scheuen fürchteten.
Die Rückreise nach Frankfurt wird lang und schmerzhaft sein. In der Heimat werden die Zeitungen am Mittwochmorgen nicht von Heldentum, sondern von Versagen berichten. Die Frage, die nun im Raum steht, ist nicht nur, wer die Elfmeter verschossen hat, sondern ob dieses Team und dieser Trainer jemals wieder die mentale Härte entwickeln werden, die nötig ist, um den ganz großen Triumph zu holen. Das Schweigen von Klopp ist das lauteste Alarmzeichen, das der Deutsche Fußball-Bund in den letzten Jahren gehört hat.
