Müller hat die MLS nicht als Endstation betrachtet, sondern als neues Spielfeld. Seine Art, das Spiel zu lesen, seine Fähigkeit, den berühmten „Raum zu deuten“, hat ihn auch in Nordamerika schnell zum absoluten Schlüsselspieler gemacht. Während die physische Athletik in der MLS oft über alles andere gestellt wird, bringt Müller etwas mit, das dort noch immer rar gesät ist: Intelligenz. Er erkennt Lücken, bevor sie entstehen, spielt Pässe, die andere nicht sehen, und schafft es, seine Mitspieler durch seine bloße Präsenz besser zu machen. Er ist der Dirigent in einem Orchester, das oft nur laut, aber nicht immer harmonisch spielt.
In den Interviews nach dem Spiel, als er den Pokal für den Rekordbrecher in die Höhe streckte, wurde Müller nach seiner Zukunft gefragt. Die Frage, ob dieser Rekord der perfekte Abschluss seiner Karriere sei, beantwortete er mit einem typischen Müller-Lachen. „Abschluss? Nein, nein. Ich spüre noch immer dieses Feuer in mir, wenn ich auf den Platz gehe. Die MLS entwickelt sich rasant, das Niveau wird von Jahr zu Jahr besser, und ich will Teil dieser Entwicklung sein. Solange die Beine mitmachen und der Kopf Spaß hat, gibt es keinen Grund, den Schuhen den Rücken zu kehren.“
Diese Worte sind kein leeres Pathos. Wer Müller in den Trainingseinheiten beobachtet, sieht einen Profi, der mit der Akribie eines Zwanzigjährigen an seiner Fitness arbeitet, aber mit der Gelassenheit eines Mannes, der alles schon gesehen hat. Er hat den Druck der großen Bühnen Europas hinter sich gelassen und in den USA eine neue Heimat gefunden, in der er den Fußball wieder als das betrachtet, was er in seiner Kindheit war: ein Spiel, das man gewinnen will, aber vor allem ein Spiel, das man liebt. Thomas Müller mag in Europa seine unsterblichen Momente gehabt haben, aber in den USA schreibt er gerade ein neues, ebenso faszinierendes Kapitel. Und es sieht ganz so aus, als hätte dieses Kapitel noch einige Seiten vor sich.
