Doch die Bundesbank sieht nicht nur die äußeren Einflüsse als Problem. In dem Bericht wird ungewohnt scharf die hiesige Strukturpolitik kritisiert. Während andere Nationen mit massiven Konjunkturpaketen gegensteuern, bremst Deutschland sich selbst durch bürokratische Hürden und eine verhaltene Fiskalpolitik aus. „Die deutsche Industrie befindet sich in einer Transformation, die durch externe Schocks massiv beschleunigt, aber nicht adequately finanziert wird“, heißt es in dem Papier. Die Folgen bekommen die Verbraucher bereits zu spüren. Die Inflation mag auf den ersten Blick stabil wirken, doch die reale Kaufkraft schwindet, da die Preise für Dienstleistungen und Wohnen ungebrochen hoch sind.
Für die Bundesregierung bedeutet der Bericht einen politischen Scherenschlag. Die Bemühungen, die Konjunktur durch Steuersenkungen und Entlastungen anzukurbeln, verpuffen wirkungslos, solange die Unternehmen keine Planungssicherheit haben. Ökonomen warnen nun eindringlich davor, dass Deutschland ohne eine sofortige Kehrtwende in der Investitionspolitik in eine längere Phase der Stagnation abrutschen könnte. Das zweite Quartal wird somit nicht das erhoffte Comeback, sondern ein realistischer Check-up, der zeigt, wie fragil die wirtschaftliche Erholung tatsächlich ist.
