Der Mittelstand, das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, befindet sich in einer Zwickmühle. Auf der einen Seite stehen hohe Lohnabschlüsse, die die Arbeitnehmer vor den Folgen der Inflation schützen sollen. Auf der anderen Seite fehlen die Aufträge aus dem exportorientierten Sektor, da die globale Konjunktur schwächelt. Die EZB-Politik, die auf den gesamten Euro-Raum ausgerichtet ist, ignoriert dabei oft die spezifischen Probleme der deutschen Industrie. Ein Zinssatz, der für die südeuropäischen Staaten angemessen sein mag, kann für einen deutschen Maschinenbauer, der auf langfristige Investitionskredite angewiesen ist, immer noch eine enorme Hürde darstellen.
Die Kritik an der EZB wird daher lauter. Wirtschaftsverbände fordern eine stärkere Berücksichtigung der realwirtschaftlichen Bedürfnisse bei den kommenden Zinssitzungen. Doch die Notenbanker bleiben stur: Das Mandat ist die Preisstabilität, und die ist erreicht. Für den deutschen Mittelstand bedeutet das jedoch, dass er sich nicht auf geldpolitische Rettungsschirme verlassen kann. Er muss seine eigene Resilienz stärken, effizienter werden und neue Märkte erschließen – eine Herkulesaufgabe in einem Umfeld, das keine Fehler mehr verzeiht.
